Nach dem Verbot von „linksunten.indymedia“ im Jahr 2017 sattelten die bundesdeutschen Linksradikalen und Linksextremen auf die Mutterplattform „indymedia“ um. Dort wurden und werden weiterhin radikale Inhalte verbreitet, zu Gewalt und Straftaten aufgerufen und Bekennerschreiben zu Straftaten veröffentlicht. Dadurch konnten die anonymen Betreiber dem umstrittenen Vereinsverbot entgehen und weiterhin in als Dreh- und Angelpunkt der linksradikalen Szene fungieren.

Noch während „indymedia“ in Betrieb ist – und voraussichtlich auch noch längere Zeit sein wird – sattelt man bereits auf zwei neue Portale um, die nur über „TOR“ einen Browser, der Netwerkverbindungen verschlüsselt, erreichbar sind. Ziel der Betreiber von „OMPF“ und „Leftspace“ ist es ein unabhängiges „DIYM“-Netzwerk (Do ist yourself) zu gründen, OMPF und Leftspace sollen die ersten beiden Seiten darstellen, weitere Plattformen hinzukommen.

Anonymes Surfen

Hauptfunktion der Seiten, die ausschließlich über TOR – also nicht über normale Browser erreichbar sind -, ist Austausch und Vernetzung innerhalb der linksradikalen Szene sowie ein sicheres Netzwerk zu schaffen, dass unanfällig gegen staatliche Verbote oder Kündigungen von Seiten der Serverbetreiber ist.

Gleichzeitig büßt man eine wichtige Eigenschaft ein: Für den normalen Publikumsbesuch, selbst innerhalb der linken Szene, werden OMPF und Linksnet nicht von Relevanz sein, da durch die TOR-Erreichbarkeit eine größere Hürde geschaffen wurde. Auf der einen Seite finden die linken Straftaten, die Hetze und die Ankündigungen keine große Resonanz mehr, auf der anderen Seite wird man die eigenen Aktivitäten anonym betreiben können – ohne medial groß aufzufallen und damit Druck auf die Behörden aufzubauen, wie es bei „linksunten“ geschehen ist.

Große Klappe, nichts dahinter?

Auch muss in Betracht gezogen werden, dass es sich bei der Ankündigung des „Netzwerkes“ um eine von vielen Totgeburten innerhalb der linken Szene handelt, die nach großspurigen Behauptungen im Sande verlaufen. Interessant ist an dieser Stelle auch das „i“-Symbol auf der Seite, das Logo von „linksunten.indymedia“. Das wurde im Zuge des Verbotsverfahren ebenfalls unter Strafe gestellt. Im Falle von „Leftspace“ sieht man sich also in direkter Tradition von „linksunten“ – und macht sich bereits strafbar.

Konsequenzen wird es freilich nicht haben: Zu rigide sind Polizei und Justiz nicht, sich die Mühe zu machen, auf die Suche nach den Betreibern zu gehen, um ein umstrittenes politisches Verfahren einzuleiten, dass medial wieder hohe Wellen schlagen wird.

Risikostreuung

Aber warum kommen OMPF und Leftspace zu diesem Zeitpunkt? Wollen die Linken ihr Portfolio diversifizieren? Nicht ganz, wie ein Blick auf die Seiten zeigt. Inhaltlich sind die Beiträge fast deckungsgleich mit denen von „indymedia“, wie auch selbst angegeben wird, geht es darum, die Beiträge von linken Foren zu „spiegeln“ und somit zu vervielfältigen und vor Löschungen zu schützen.

Bildquelle: Screenshot: Leftspace

Auch „indymedia“ selbst ist zeitweise nur noch über TOR erreichbar. Ob die linke Szene sich also aus der Öffentlichkeit zurückzieht? Möglicherweise. Auch die Gründung des Netzwerkes weisen darauf hin, dass der Druck im „normalen“ Netz zu groß geworden ist. Dieser Schritt könnte aber auch heißen, sich ins eigene Bein zu schießen. Der erste Kommentar unter der Vorstellung des Projektes lautet:

„Ich würde es auch sehr befürworten, wenn sich jemensch findet, der einen Instanz der Seite im Clearnet (normales Internet) hosten würde.“

Randgruppe

Für alle die sich fragen: „jemensch“ wird neuerdings in der linken Szene verwendet, weil „jemand“ angeblich zu nahe an der maskulinen Form „Mann“ sei. Was aber in diesem Zusammenhang viel interessanter ist: Selbst viele „indy“-Nutzer, die Interesse an den fragwürdigen Inhalten haben, sind nicht dazu in der Lage, TOR zu nutzen und auf OMPF und Leftspace zuzugreifen.

So bleibt ein abschließender Blick auf die Seiten zu werfen: Schutz vor Strafverfolgung? Ja! Größere Anonymität? Ja! Diversifizierung der eigenen Inhalte auf mehreren Seiten? Ja! Erreichbarkeit für den linken Mainstream? Klares „Nein“. Indymedia und co. sind auf dem Weg dahin, wo sie hingehören: Eine Spartenseite und Randgruppe zu werden.